Wo bleibt der Charme des Express?
May 8th, 2008Und wieder warten wir auf den Express am Gare de Hann in Dakar. Diesmal hat er zwei Stunden Verspätung. Wir können selbst nicht glauben, das wir am Nachmittag tatsächlich ein drittes Mal in ihn einsteigen, um die nächste Nacht und den folgenden Tag in ihm zu verbringen. Wir haben bis zur malischen Grenze gelöst, um ein paar letzte Fotos zu schießen. Im Express werden wir von Reisenden sowie Angestellten wiedererkannt und gegrüßt. Das Prozedere beim Einstieg ist immer noch überwältigend, aber lang nicht mehr so fremd. Von den ca. 40 Sitzen im Abteil ist vielleicht die Hälfte verkauft, an Händlerinnen sowie Reisende. Unsere Sitze sind leider doppelt vergeben. Ungläubig starren wir auf die Tickets der beiden Jungs. Tatsächlich der selbe Wagen, die selbe Sitznummern. So kommen wir in den zweifelhaften Genuss unsere Sitzplätze selbst zusammenstellen und halten Ausschau: Wo gibt es noch einen kompletten Sitz, wo hält die Lehne? Die meisten Sitze hängen schief aus den Angeln und sind bis zu den Sprungfedern aufgeschlitzt. Zudem sind sie belagert mit Gepäck oder von den jungen illegal mitreisenden Männern, die während der Kontrolle auf das Zugdach flüchten. Nach einer Weile des ruhigen Ausharrens haben wir schließlich zwei Plätze ergattert. Wir verlagern auch noch die darunter stehen Fischeimer in den Gang.
Während der gemächlichen Fahrt durch die Hitze, kreisen die Gedanken. Unser Blick ist seit der ersten Reise kritischer geworden. „Hat der Express Charme?” fragen wir uns. Selbst am Ausgang stapeln sich die Waren. Dort wankt ein Turm im Geruckel des Zugs: den Sockel bilden Säcke mit kaputten Kacheln, darüber leere, gefaltete Kartons, ganz oben auf Bündel mit 5 Liter Plastikflaschen, leer natürlich. Die Händlerinnen werden 1200 km gen Osten in Bamako versuchen, damit auf den Märkten zu feilschen. Und während der gesamten Fahrt hangelt jedermann an dem Turm vorbei.
Das Reisen im Express ist für alle anstrengend und strapaziös. Viel wird mittlerweile vom neuen Zug geredet. Die meisten warten auf ihn, andere fürchten ihn jedoch. Im Hafen von Dakar stehe er bereits, der klimatisierte Express, so weiß jeder zu erzählen. Aber auch, dass dort viel weniger Platz zum Verstauen sein wird, dass die Kontrollen wohl genauer ausfallen werden, sowohl für Gepäck als auch für Mitreisende. Aber ohne Frage werden sich die Reisebedingungen stark verbessern: es wird funktionierende Toiletten, gute Sitzmöglichkeiten und vielleicht wieder eine Idee des Reisens geben.






